Geschichte

Auszüge aus der Geschichte des Turn- und Sportverein 1897 Saulheim e. V.

Daß wir die Geschichte unseres Vereins in der heutigen aktuellen Form niederschreiben können, verdanken wir einem äußerst glücklichen Umstand. Unser Protokollbuch ging während des 2. Weltkrieges verloren und tauchte gerade noch rechtzeitig zur 100 Jahrfeier wieder auf.

Bevor sich im Juli 1897 einige sportbegeisterte Männer trafen, um über die Gründung eines Turnvereins zu sprechen, hatte es in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits zwei Versuche zur Gründung eines solchen gegeben. Beiden Vereinen war aber nur eine kurze Lebensdauer beschieden. Diese negativen Erfahrungen schreckte die Idealisten allerdings nicht ab. Zur offiziellen Gründungsversammlung fanden sich ca. 30 Interessenten ein.

Die Vereinsgeschichte ist eng mit dem Turnen verbunden, war das Turnen doch der Anlass für die Vereinsgründung.

Die ersten größeren Einnahmen erwirtschaftete der Verein an Weihnachten und an Fastnacht, als man zwei Theaterabende mit großem Erfolg durchführte.
Eine Jahrzehnte dauernde Tradition nahm so ihren Anfang. Die Einnahmen aus beiden Veranstaltungen ermöglichten es, einen Barren und ein Pferd anzuschaffen, so daß man 1898 bereits über alle Hauptturngeräte verfügte.

Aus heutiger Sicht undenkbar waren die strengen Regeln, die für den Übungsbetrieb galten. Mitglieder, die jünger als 20 Jahre waren, mußten an den Übungsstunden aktiv teilnehmen. Fehlte man ohne begründete Entschuldigung, hatte man eine Geldstrafe von 10 Pfennig zu zahlen. Wurde eine Strafe nicht bezahlt, wurde das betreffende Mitglied an das Ehrengericht verwiesen und konnte von diesem aus dem Verein ausgeschlossen werden. Diese Strafe drohte auch Mitgliedern, die dreimal hintereinander in den Turnstunden fehlten. Mitglieder, die bei außerordentlichen Generalversammlungen fehlten, hatten eine Strafe von 50 Pfennig zu zahlen.

1911 war ein besonderes Jahr. Das Turnen war bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich den Männern vorbehalten. Dies änderte sich durch die Gründung einer Damenriege.
Bereits am Fastnachtdienstag hatte man den ersten öffentlichen Auftritt und wußte mit Keulenübungen zu überzeugen. Ein Jahr später erhielt beim Gauturnfest in Kostheim eine Auszeichnung ersten Grades mit der Note „sehr gut“. Die Damenabteilung entwickelte sich prächtig. Ihr gehörten 28 Turnerinnen an. In der Schulabteilung wurden 18 Schulmädchen betreut.

Wie stark früher das Interesse am Verein und das Zusammengehörigkeitsgefühl war, ist an einem Beispiel vom Juni 1926 zu sehen. Von 260 Mitgliedern nahmen 85 an einem Ausflug nach Wendelsheim teil. Schon während der Zugfahrt sorgte die Musikkapelle für die richtige Stimmung. Nach einer Wanderung zur Teufelsrutsch veranstaltete man am Nachmittag in der Turnhalle von Wendelsheim ein Schau- und Werbeturnen, von dem der Chronist vemerkte, daß die Wendelsheimer Turngenossen begeistert gewesen seien.

Anläßlich des 30jährigen Bestehen fand auf dem Turnplatz ein Mannschaftsturnen statt, an dem sich die Vereine aus Ebersheim, Schornsheim und Saulheim beteiligten.
Zwischen 700 und 800 (!!) Zuschauer waren Zeuge dieses Wettkampfes.

1928 feierte eine für Saulheim neue Sportart Premiere. Der Handball, Ende des 1. Weltkriegs in Berlin in erster Linie als Armeesport erfunden, trat von dort aus seinen Siegeszug an.

Durch die Besatzungsmächte wurde von 1945 bis 1949 ein Turnverbot ausgesprochen. Der Vorstand wurde abgesetzt, das Vereinsvermögen beschlagnahmt und die Auflösung des Vereins erzwungen. Kaum zu überwindende Schwierigkeiten taten sich auf und nur große Optimisten konnten sich vorstellen, daß schon bald der Turn- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden könnte.
Erschreckend kam hinzu, daß neben der Vereinsfahne auch die meisten Aufzeichnungen und Unterlagen verloren gegangen waren. Einige Idealisten zeichneten aus der Erinnerung heraus wichtige Ereignisse auf, um so die Voraussetzungen für ein Fortbestehen des Vereins zu schaffen. Da aber nicht nur das Turnen, sondern auch noch die Turnvereine verboten waren, mußte eine Neugründung unter dem Namen “Sportverein“ erfolgen.

1949 war voller Höhen und Tiefen. Der Verein hatte einen erheblichen Rückgang bei den Mitgliederzahlen zu verkraften. Mangelndes Interesse führte dazu, daß zahlreiche Veranstaltungen nicht durchgeführt werden konnten. Die dadurch fehlenden Einnahmen hatten Auswirkungen auf den Spielbetrieb. Die Damenhandballmannschaft wurde aus finanziellen Gründen aus der Verbandsrunde zurückgezogen.

1950 wurden die Beschränkungen für die Vereine aufgehoben. Auf der Generalversammlung beschlossen die Mitglieder ab sofort den Namen „Turn- und Sportverein Nieder-Saulheim“ zu tragen. Finanzielle Engpässe wirkten sich weiterhin  hemmend auf die sportliche Weiterentwicklung im Sportbetrieb aus. Die Handballer hatten nicht nur personelle Probleme, auch der Mangel an geeignetem Schuhwerk machte den Aktiven schwer zu schaffen.

Der neue 1 Vorsitzende übernahm im Jahr 1952 kein leichtes Amt, denn der Verein hatte große finanzielle Probleme. Den TuS plagte ein Minus in der Kasse. Deswegen führte man an Ostern ein Handball-Blitzturnier, sowie einen Familienabend durch. Da man gleichzeitig auf einer Generalversammlung den Mitgliederbeitrag anhob, konnte sich der TuS endlich ein kleines Finanzpolster zulegen.

Die Ehrenmitglieder und noch lebenden Gründer des Vereins stifteten im Jahr 1955 eine neue Fahne.

Seinen ersten Auftritt hatte dabei der neu gebildete Fanfarenzug des TuS. Durch intensive Schulung hatten die Verantwortlichen sehr schnell eine Spielstärke erreicht, die sie auch bei zahlreichen Auftritten in der näheren und weiteren Umgebung unter Beweis stellten. Sie sind damals wie heute ein guter Botschafter des TuS und spielen heute, wegen personeller Schwierigkeiten, zusammen mit dem Blasmusikverein als „Musikvereinigung Saulheim“. Auch weit über die Landesgrenzen hinaus weiß man, die musikalischen Qualitäten der Musikvereinigung zu schätzen.

Von 1950 - 1966 war die Abteilung Turnen das Aushängeschild des Vereins. Die Turner waren maßgeblich am Aufschwung des TuS beteiligt. Die gute Übungsarbeit fand sogar bei den großen Stadtvereinen Respekt und Anerkennung. Disziplin und kontinuierliches Arbeiten waren der Erfolgsgarant. Bei den damaligen Rundenkämpfen waren die Saulheimer ein gefürchteter Gegner. Außerdem zählte der TuS bei Gau- und Landesturnfesten immer zu den teilnehmerstärksten Vereinen. Die überraschende Schließung des Vereinslokals und die schwere Krankheit des Turnwartes brachte der Abteilung Turnen einen großen Einschnitt.

Glücklicherweise hatte die Abteilung Handball den Beginn einer Erfolgsserie zu verzeichnen. Innerhalb weniger Jahre kämpfte man sich in die Oberliga, der höchsten Spielklasse Rheinhessens. Hier etablierten sich die Handballer bis zum heutigen Tag. Unter anderem wurde Saulheim 3 mal Oberligameister (Rheinhesssenmeister) und spielte dadurch 2 mal in der Regionalliga Südwest.
Auch im Jugendbereich wurde mehrmals eine Rheinhessenmeisterschaft erzielt. Viele jugenliche Spieler bilden heute das Gerippe unserer erfolgreichen 1. Mannschaft.

Mitverantwortlich für diese Erfolge war der Neubau einer Sporthalle in Saulheim im Jahre 1973. Dies war nicht nur für die Abteilung Handball und Turnen ein Glücksfall, sondern für den gesamten TuS.
Aus dem nun in der Sporthalle angebotenen Freizeitsport heraus, entstand zuerst die Basketballabteilung und später die Volleyballabteilung.

Durch das größere Angebot des TuS wurde ein stetiger Mitgliederzuwachs hervorgerufen. 1984 konnte der Verein das 1000 Mitglied begrüßen.

Aus der Abteilung Turnen heraus, wurde1962 die Abteilung Leichtathletik gegründet.

Um den Schülern und Jugendlichen bessere Trainingsmöglichkeiten zu bieten, schlossen sich die Leichtathleten mit anderen Vereinen zur „LG Rheinhessen-Mitte“ und später zum „LAZ Nieder-Olm“ zusammen. Bezeichnend für die gute Trainingsarbeit sind zahlreiche Rheinhessen- und Rheinland-Pfalz-Meisterschaften, sowie die Süddeutsche Vizemeisterschaft der weiblichen B-Jugendstaffel.
Erfolgreichster Athlet der Abteilung ist sicherlich Michael Kaul, der, aufgrund besserer Trainingsmöglichkeiten, für den USC Mainz startende TuS’ler, gewann 1993 in Duisburg die Deutsche Meisterschaft über 400 m Hürden

Erstmals organisierte der Verein, im Jahr 1983, einen Weinbergsorientierungslauf mit stattlichen 160 Startern. Es war die erste Veranstaltung dieser Art in Deutschland. Zum damaligen Zeitpunkt konnte keiner ahnen, daß der Saulheimer OL heute zu den populärsten in Deutschland zählen würde.

„Sportler helfen Kindern“ - unter diesem Motto stand eine große Benefizveranstaltung zugunsten des Fördervereins für tumor- und leukämiekranke Kinder im April 1989. Mit 3000,-DM konnte der TuS die Arbeit des Fördervereins unterstützen.

Der Showtanzabend der Jazzgymnastikgruppe im Jahr 1992 war eine Veranstaltung der Superlative. Schon der Besucheransturm sprengte alle Rekorde. Was ihnen geboten wurde, gilt als einer der absoluten Höhepunkte in der Sporthalle Saulheims. Die Interpretation der Geschichte der „Blue Brothers“ brachte einen Reinerlös in Höhe von 3000,- DM. Diesen stellte man wieder dem Förderverein für tumor- und leukämiekranke Kinder zur Verfügung.

1994 nahm der TuS am Deutschen Turnfest in Hamburg teil. Neben den sportlichen Erfolgen stand der kulturelle Erfolg. Der TuS war der einzige Verein, der in der Turnfestmeile mit einem eigenen Weinstand vertreten war und damit eine positive Werbung für die Heimatgemeinde durchführen konnte. Der Turn- und Sportverein 1897 Saulheim e. V. hat zur Zeit 1300 Mitglieder.

Der Verein hat 7 Abteilungen:
Basketball, Handball, Leichtathletik, Musikzug, Theater, Turnen, Volleyball, sowie einen Jugendausschuss.
Er wird seit 1993 von einer Frau geleitet.

Der TuS bietet allen Altersstufen in 7 verschiedenen Abteilungen von Freizeitsport bis zum Leistungssport, sowie Bewegungs- bis Fitnessgymnastik die Möglichkeit, sich aktiv am Vereinsleben zu beteiligen.